Offener Brief an die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Für eine Ermöglichung des Gedenkens an das KZ Außenlager Schwalbe III

Gedenk-Aktion am KZ-Außenlager Schwalbe III, 27. Januar 2018

Unser jährliches Gedenken im Polenztal zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz Birkenau nehmen wir 2021 zum Anlass uns bei der Nationalparkverwaltung für ein würdiges Gedenken an das KZ-Außenlager Schwalbe III einzusetzen. Wir bitte alle, die diesen Brief nachträglich mitzeichnen wollen, uns an akfreizeit@riseup.net zu schreiben.

Sehr geehrter Herr Zimmermann, sehr geehrte Frau Gerber,
sehr geehrter Herr Phoenix, sehr geehrter Herr Knaak, sehr geehrter Herr Tröber,

wir richten uns mit diesem Brief an alle Mitarbeitenden und Entscheidungstragenden des Nationalparks Sächsische Schweiz und hoffen hiermit in der weiteren Angelegenheit auf Verständnis, Dialog und Zusammenarbeit.

Aktuell finden überall im Nationalpark großflächige Waldsicherungsmaßnahmen statt. Zunächst möchten wir uns für die nicht ungefährlichen Anstrengungen aller beteiligten Waldarbeiter_innen bedanken.

Leider mussten wir im Dezember 2020 zur Kenntnis nehmen, dass dabei im Polenztal, unterhalb des Schiffstellenbloß, einige der letzten Spuren des KZ Außenlagers Schwalbe III mit enormen Mengen Baumverschnitt verschüttet wurden. Wir empfinden die Wahl der Ablagestelle als unsensibel, da sie einen historischen Bereich betrifft. Daher möchten wir Sie dafür gewinnen, einen neuen Umgang mit dem Gedenkort zu etablieren.

Hierzu eine kurze Erläuterung:

Das KZ-Außenlager Schwalbe III entstand als Außenlager des KZ Flossenbürg im Februar 1945. Die Anlage des Lagers zog sich von der heutigen Ochelbaude (Häftlingsbaracken, SS-Wachmannschaften) bis zur Waltersdorfer Mühle (Gleisanlagen, Stollen, weitere Wachmannschaften). Die 250 Häftlinge mussten im Polenztal Gleisanlagen und Stollen für eine Untertageverlegung von Industrieanlagen realisieren. In den nur ca. 2 Monaten des Lagerbestehens wurden mindestens 14 Häftlinge getötet, bis zu 130 weitere Gefangene wurden beim anschließenden Todesmarsch ermordet. Weitere Informationen finden sich u.a. auf dem schon mehrfach ausgezeichneten Kartenprojekt “Gedenkplätze”.¹

Vom KZ-Außenlager finden sich heute mindestens drei Stollen, die Reste der Häftlings-Baracken und einige wenige Reste von Industrieanlagen. Eine Gedenk- oder Informationstafel gibt es vor Ort nicht. Die Überreste der Häftlingsbaracken befinden sich in einem Biberhabitat. Die nun versperrten Stollenvortriebe am Schiffstellenbloß dagegen befinden sich nur eine Minute vom Hauptweg entfernt, direkt über ihnen befindet sich auch ein Klettergipfel (Loriturm) mit Kletterzustieg. Die Stolleneingänge befinden sich also nicht innerhalb einer geschlossenen Ruhezone. Sollte es geschützte Bodenvegation auf dem Stollenvorplatz gegeben haben, dann besteht sie spätestens seit dem Abladen des Verschnitts nicht mehr.

Wir möchten die Nationalparkverwaltung deshalb hiermit darum bitten;

  • den Verschnitt im Bereich Schiffstellenbloß zu beräumen
  • den Zugang zu den beiden Stollen im entsprechenden Bereich zu legalisieren
  • ein Gedenkkonzept gemeinsam mit den langjährig zum Thema arbeitenden Vereinen (z.B.: Schwarz Rote Bergsteiger_innen (FAU), AKuBiZ e.V., Educat e.V.) zu erstellen und zu legalisieren
  • eine Informationstafel und einen Gedenkortes im Polenztal zu realisieren.

Wir verbleiben mit der Hoffnung auf baldige Antwort und das gemeinsame Finden einer Lösung, die den Opfern des Nationalsozialismus ebenso wie dem Naturschutz gerecht wird.

¹ www.gedenkplaetze.info

Unterzeichner_innen:
Schwarz-Rote Bergsteiger_innen (FAU, Dresden)
Berge frei e.V. (Dresden)
Educat e.V.  (Berlin/Dresden)
Institut für Syndikalismusforschung (Bremen)
Bundesvorstand des Bund Deutscher Pfadfinder_innen
Dr. Stefan Boberg (Historiker, ehemals Gedenkstätte Sachsenhausen)
Markus Wegewitz (Historiker, Universität Jena)
Steve Potyka (Bildungsreferent NS-Aufarbeitung Landkreis SOE)
Theres Schimansky (Hohnstein)
Dr. Volker Böricke (Hohnstein)
Barbara Gasch (Struppen)
Volker Gasch (Struppen)
Tamara Bimesmeier (Dresden)
Matthias Brauneis (Dresden)
Clara Schneider (Radebeul)
Daniel Schütze (Dresden)
Antonia Guttmann (Dresden)
Jette Rieger (Leipzig)
Marius Bachmann (Leipzig)
Michael Hiller (Mannheim)
Michael Genderkinger
Thomas Reichelt (Struppen)
Katrin Schapitz (Chemnitz)
Ingo Rätze (Jena)

 

[ssba]